“Wanderndes Gottesvolk” als Leitbild unserer Kirchengemeinde

Rüste des Kirchengemeinderates 2009 in Neckarelz

Rüste des Kirchengemeinderates 2009 in Neckarelz

Die Evangelische Landeskirche in Baden regt an, dass sich ihre Gemeinden ein eigenes Leitbild erarbeiten. Der Sinn dieses Leitbildes ist es, durch das Setzen von Zielen der Gemeinde eine erkennbare Ausrichtung zu geben und so zu ihrer Identifikation und zu ihrer Zukunftsfähigkeit beizutragen. Zur Findung und Ausarbeitung des Leitbildes stellt die Landeskirche unterstützend den sogenannten Kirchenkompass zur Verfügung. Er besteht aus einer schriftlichen Unterlage in der Form einer Broschüre und aus einem Seminarangebot. Zur Formulierung eines Leitbildes fanden sich alle Mitglieder des Kirchengemeinderates vom 20. bis zum 22. März zu einem Arbeitswochenende in Neckarelz ein. Dabei waren wir im Bildungshaus Bruder Klaus untergebracht, das in einem sehenswerten Ensemble mit dem Tempelhaus, einer ehemaligen Johanniterburg aus dem 12./13. Jahrhundert, und der im 18- ten Jahrhundert erbauten evangelischen Kirche steht. Das Seminar wurde geleitet von Dr. Stefan Royar. Herr Royar ist Pfarrer an der Stadtkirche in Weinheim und hat sich eine Zusatzausbildung zur Moderierung des „Kirchenkompassprozesses“ erworben.

Zur Erleichterung der Vorgehensweise werden in der Broschüre des Kirchenkompasses vier mögliche Leitbilder bereits vorgestellt, ohne dass die Findung von Leitbildern auf diese begrenzt ist. Da für unsere evangelische Kirche – basierend auf der Lehre Martin Luthers – die alleinige Richtschnur für Glauben, Verkündigung und Leben die Heilige Schrift ist (sola scriptura), ist es nicht verwunderlich, dass die vier angebotenen Leitbilder der Bibel entnommen sind. Sie lauten:

  • Wanderndes Gottesvolk
  • Haus der lebendigen Steine
  • Leib Christi
  • Salz der Erde

Unter dem für unsere Kirchengemeinde zu suchenden Leitmotiv sollen die anzustrebenden Ziele angeordnet werden. Von daher wurden zunächst mögliche Ziele definiert und beschrieben. Im nächsten Schritt wurden diese in „wichtig“ und „weniger wichtig“ eingeteilt – wohl wissend, dass unsere zeitlichen Möglichkeiten und unsere Kräfte begrenzt sind. Bei den verbliebenen, wichtigen Zielen wurde anschließend geprüft, welche für unsere Gemeinde realisierbar sind. Ein Kriterium hierbei waren die personellen Möglichkeiten, die unserer Gemeinde zur Erreichung des jeweiligen Zieles zur Verfügung stehen. Es blieben letztlich zwei konkrete Ziele übrig, auf die wir uns in den nächsten 18 Monaten stärker konzentrieren möchten:

Innerhalb unserer Gemeinde wollen wir den Bezug zu Gott stärken. Wir möchten, dass wir uns klar werden, dass Gott uns auf unserem Weg durch das Leben begleitet und dass wir uns über seine Botschaft an uns Menschen tiefer bewusst werden. In diesem Zusammenhang möchten wir Vortragsreihen organisieren und dazu auch externe Referenten einladen. Es soll über alltagsnahe, das Leben betreffende Themen berichtet werden, die aus dem Inhalt der Heiligen Schrift angegangen und erläutert werden.

Ein weiteres Ziel des Kirchengemeinderates ist es, die Stellung und die Werthaltigkeit des Kindergottesdienstes zu fördern. Der Gottesdienst für die Kleinen ist uns wichtig. Zum einen ist eine gute Nachfrage von Kindern und Eltern vorhanden und zum anderen gibt er uns die Möglichkeit, den Mädchen und Jungen die Berichte der Bibel näherzubringen. Wir möchten, dass Sie so einen guten Bezug zum christlichen Glauben und zu unserer Kirchengemeinde erhalten. Um dieses Ziel zu erreichen, streben wir an, den Kindergottesdienst inhaltlich zu modifizieren, um so weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu gewinnen.

Im Herbst 2010 werden wir überprüfen, inwiefern wir diese Ziele erreicht haben und in welchen Bereichen der Gemeindearbeit wir neue Ziele entwickeln können.

Die beiden anzustrebenden Ziele stellten wir unter das Leitbild vom wandernden Gottesvolk. Dieses Motiv nimmt Bezug auf den Brief an die Hebräer. Im 4. Kapitel dieses Schreibens ist das Volk Gottes aufgefordert, besorgt zu sein, dass keiner zurückbleibt, solange die Verheißung noch gilt, in das Land seiner Ruhe zu kommen. Und im 13. Kapitel sind wir aufgefordert, uns zu Jesus zu bekennen, denn wir haben hier keine Stadt, die bestehen bleibt, sondern wir suchen die zukünftige.

Wir verstehen uns und unsere Kirchengemeinde in Neckarhausen als ein wanderndes Gottesvolk mit der gesamten Christenheit – und dies über alle Konfessionen, Länder und Kontinente hinweg. Auch wenn die Wege der Wanderer unterschiedlich sein mögen, ist das Ziel, Gott nahe zu kommen, das gleiche.